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Esskastanie im Garten

Der Maronibaum für Steiermark, Burgenland und Kärnten

Die Esskastanie (Castanea sativa) zählt zu den ältesten Kulturpflanzen Europas. Wer einen Maronibaum in den eigenen Garten pflanzt, profitiert von köstlichen Früchten, einer beeindruckenden Krone und einem Baum, der mit dem Klimawandel Schritt hält. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen alles, was Sie über die Edelkastanie wissen sollten: vom idealen Standort über die Sortenwahl bis zur Ernte im steirischen Herbst.

Kastanienbaum mit Blüten: Castanea sativa im Frühling mit seinen schönen einzigartigen Blüten.

Steckbrief der Esskastanie

MerkmalBeschreibung
Botanischer NameCastanea sativa
Weitere NamenEdelkastanie, Maroni (AT), Marroni (CH), Keschde (Pfalz)
FamilieBuchengewächse (Fagaceae)
Wuchshöhe20 bis 25 m, veredelte Sorten 4 bis 8 m
KronenbreiteBis 15 bis 20 m im Freistand
BlätterEinzeln, lanzettlich, grob gesägt, 12 bis 20 cm lang
BlütezeitJuni bis Juli (schwefelgelbe Kätzchen)
FruchtreifeSeptember bis Oktober
WinterhärteUSDA-Zone 6 (bis ca. minus 23 Grad Celsius)
Lebensalter500 bis 600 Jahre, in Mitteleuropa oft um 200 Jahre
WurzelsystemHerz- bis Pfahlwurzler (tiefgehend)
BodenSauer (pH 4,5 bis 6,5), humusreich, durchlässig, kein Kalk
BestäubungMindestens 2 verschiedene Sorten nötig
Erste ErnteVeredelt: ab dem 3. bis 7. Standjahr

Was ist die Esskastanie?

Die Esskastanie gehört zur Familie der Buchengewächse und ist eng mit Buche und Eiche verwandt. Ihr botanischer Name lautet Castanea sativa. In Österreich kennt man die Früchte als Maroni, in Deutschland als Maronen und in der Schweiz als Marroni.

Schon die Römer brachten die Edelkastanie über die Alpen nach Österreich. Pollenanalysen belegen Vorkommen in der Steiermark seit der Römerzeit. Im Mittelalter galt die Kastanie als „Brot der Armen“ und ernährte ganze Bergdörfer. Klöster und Kirchenfürsten ließen Kastanienbäume pflanzen, wo kein Getreide gedieh.

Heute erlebt der Kastanienbaum eine Renaissance. Die Anbaufläche in der Steiermark stieg von 49 ha im Jahr 2018 auf rund 200 ha in ganz Österreich im Jahr 2025. Unter der Marke „Steirerkestn“ vermarkten steirische Betriebe ihre Ernte seit 2018.

Maroniebaum bzw. Esskastanie ist eine wahre Bereicherung für Ihren Garten. Kastanienbaum.

Esskastanie oder Rosskastanie: Was ist der Unterschied?

Die Verwechslung kommt häufig vor. Beide Bäume tragen braune Früchte in stacheligen Hüllen. Botanisch haben sie jedoch nichts gemeinsam.

MerkmalEsskastanie (Castanea sativa)Rosskastanie (Aesculus hippocastanum)
FamilieBuchengewächse (Fagaceae)Seifenbaumgewächse (Sapindaceae)
BlätterEinzeln, lanzettlich, grob gesägtHandförmig gefiedert, 5 bis 7 Teilblätter
BlüteJuni/Juli, unscheinbare KätzchenApril/Mai, aufrechte weiße Blütenkerzen
FruchthülleViele weiche, dichte Stacheln, 1 bis 3 FrüchteWenige harte, kurze Stacheln, 1 bis 2 Früchte
FruchtformAbgeflacht, oben zugespitzt mit HaarbüschelRund, großer heller Nabelfleck
EssbarkeitEssbar und nahrhaftGiftig für Menschen und Tiere
BlütezeitJuni bis JuliApril bis Mai

Wichtiger Sicherheitshinweis: Rosskastanien enthalten Saponine und sind für Menschen, Hunde und Katzen giftig. Bei versehentlichem Verzehr treten Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen auf. Achten Sie besonders bei Kindern darauf, Rosskastanien nicht mit Maroni zu verwechseln.

Standort und Boden für die Esskastanie

Lichtbedarf

Die Esskastanie bevorzugt einen vollsonnigen Standort. Volle Sonne fördert die Fruchtbildung am stärksten. Im Halbschatten wächst der Baum ebenfalls, bildet aber weniger Früchte aus.

Bodenanforderungen

Entscheidend für den Erfolg ist ein saurer, durchlässiger Boden. Der ideale pH-Wert liegt zwischen 4,5 und 6,5. Kalkhaltige Böden verursachen Eisenchlorosen: Die Blätter verfärben sich gelb, weil der Baum kein Eisen mehr aufnehmen kann.

Gut geeignet sind Verwitterungsböden aus Granit, Sandstein oder Porphyr. In der Südsteiermark finden sich diese abgewitterten Urgesteinsböden häufig. Schwere Lehmböden und Ton vermeiden Sie besser.

Staunässe vermeiden

Staunässe vertragen Esskastanien überhaupt nicht. Feuchte, schlecht drainierte Böden begünstigen die gefährliche Tintenkrankheit (Phytophthora). Hanglagen bieten natürliche Drainage, bessere Belüftung und weniger Frostschäden.

Klima in Österreich

Für die Steiermark, das Burgenland und Kärnten gilt eine alte Faustregel: Wo Wein wächst, wächst auch die Kastanie. Die optimalen Lagen liegen zwischen 400 und 600 m Seehöhe. Die Jahresmitteltemperatur sollte mindestens 8 bis 9 Grad Celsius betragen. Der Kastanienbaum benötigt mindestens 140 frostfreie Tage und warme Herbste für die Fruchtreife.

Die USDA-Zonen der Steiermark reichen von 6b (Weststeiermark) bis 7a (Südsteiermark im Weinklima). Damit eignen sich weite Teile des steirischen Weinlands, des südlichen Burgenlands und der Kärntner Tieflagen hervorragend für den Anbau.

Die besten Esskastanien-Sorten für Österreich

Die Sortenwahl entscheidet über Ertrag, Fruchtgröße und Pflanzabstand. Veredelte Bäume tragen bereits ab dem 3. bis 7. Standjahr erste Früchte. Sämlinge aus Samen brauchen hingegen 25 bis 35 Jahre.

Sortentabelle mit Bestäubungspartnern

SorteFruchtgrößeReifezeitSelbstfruchtbar?BestäubungspartnerBesonderheit
Bouche de BétizacSehr groß, leicht schälbarSept. bis Okt.NeinMarigoule, Maraval, LyonVeredelung, echte Maroni, widerstandsfähig gegen Gallwespe
LyonGroßSept. bis Okt.NeinBouche de Bétizac, MaravalVeredelung, echte Maroni, aromatischer Geschmack
MaravalMittel bis großSept. bis Okt.NeinBouche de Bétizac, LyonExzellenter Bestäuber, viele süße Früchte
MarigouleGroßOktoberNeinBouche de Bétizac, MarlhacErtragreich, frühtragend
MarlhacGroß bis sehr großOkt. bis Nov.NeinBouche de Bétizac, MaravalSpätreifend, milderes Klima bevorzugt
Precoce MigouleGroßSept. bis Okt.NeinBouche de Bétizac, MarigouleErtragreich, frühe Reife
Sämling (kleinfrüchtig)KleinSept. bis Okt.NeinJede andere SorteNaturform, kleinere Früchte, robust und langlebig

Warum die Sortenwahl so wichtig ist

Die Esskastanie ist selbststeril. Männliche und weibliche Blüten sitzen zwar am selben Baum, öffnen sich aber zeitversetzt. Die männlichen Blüten blühen 7 bis 10 Tage vor den weiblichen (Proterandrie). Daher benötigt der Baum Pollen einer anderen Sorte.

Pflanzen Sie mindestens zwei verschiedene Sorten im Abstand von maximal 30 bis 40 m. Bäume derselben Sorte befruchten sich nicht gegenseitig. Die Bestäubung erfolgt hauptsächlich durch Wind, ergänzend durch Bienen.

Empfehlungen für Ihren Garten

Für große Früchte und hohen Ertrag: Bouche de Bétizac (krankheitsresistent, leicht schälbar) kombiniert mit Marigoule oder Maraval als Bestäuber.

Für aromatischen Geschmack: Lyon zusammen mit Bouche de Bétizac. Beide sind echte Maroni-Veredelungen.

Für eine besonders lange Erntezeit: Kombinieren Sie eine frühe Sorte wie Precoce Migoule mit der spätreifenden Marlhac. So ernten Sie von September bis November.

Esskastanien die vom Baum gefallen sind. Garten Leber Steiermark

Esskastanie pflanzen: Schritt für Schritt

Die beste Pflanzzeit

Der Herbst (Oktober bis November) ist der optimale Pflanzzeitpunkt. Der Baum schlägt vor dem Frühjahr Wurzeln und startet kräftiger in die erste Saison. Alternativ pflanzen Sie im Frühjahr (März bis April), solange keine Fröste mehr drohen.

Erforderlicher Zeitaufwand: 1 Stunde

So pflanzen Sie richtig:

  1. Standort wählen

    Wählen Sie einen sonnigen und windgeschützten Platz mit ausreichend Raum für die ausladende Krone der Esskastanie.

  2. Pflanzloch vorbereiten

    Pflanzloch mindestens doppelt so groß wie den Wurzelballen ausheben.

  3. Boden verbessern

    Mischen Sie die Erde mit Kompost und Hornspäne, um optimale Nährstoffbedingungen zu schaffen.

  4. Einsetzen

    Baum so einsetzen, dass die Ballenoberkante bündig mit der Bodenoberfläche liegt.
    Achten Sie auch darauf, die Wurzeln nicht zu beschädigen.

  5. Angießen

    Gründlich angießen und Boden vorsichtig festtreten.

  6. Stabilisieren

    Fixieren Sie junge Bäume mit einem Baumpfahl, damit sie vor Wind geschützt sind und leichter anwurzeln.

  7. Abdecken

    Baumscheibe mit Rindenmulch oder Gartenfaser (hält Feuchtigkeit, senkt langfristig den pH-Wert).

Pflanzabstand beachten

Halten Sie mindestens 8 bis 10 m Abstand zu anderen Gehölzen, Gebäuden und Leitungen. Für die gegenseitige Bestäubung stehen die zwei Sorten idealerweise in maximal 30 bis 40 m Entfernung.

Die besten Esskastanien und Maroniesorten für Ihren Garten.

Esskastanie pflegen: Gießen, Düngen, Schneiden

Richtig gießen

Jungbäume brauchen in den ersten 2 bis 3 Jahren regelmäßig Wasser. Von Juni bis September geben Sie etwa 15 bis 20 Liter pro Woche. Pro Gießgang rechnen Sie mit 75 bis 100 Litern, damit das Wasser tief genug in den Boden eindringt.

Ältere, eingewurzelte Bäume sind als Tiefwurzler sehr trockenheitstolerant. Sie benötigen nur bei langen Trockenperioden zusätzliches Wasser (150 bis 200 Liter pro Gießgang).

Eine 10 cm dicke Mulchschicht hält die Bodenfeuchtigkeit deutlich länger.

Richtig düngen

Esskastanien haben einen hohen Kaliumbedarf. Kalium fördert die Fruchtbildung und verbessert die Fruchtqualität.

  • Im Frühjahr ca. 2 Liter reifen Gartenkompost pro Quadratmeter Baumscheibe auftragen.
  • Beim Pflanzen und jährlich Hornspäne oder Hornmehl einarbeiten.
  • Einmal im Jahr Vulkangesteinsmehl in die Baumscheibe einarbeiten (liefert Spurenelemente).
  • Keinen Mineraldünger mit Kalk oder basischen Bestandteilen verwenden.

Richtig schneiden

Schneiden Sie die Esskastanie bevorzugt im Winter (November bis Februar). Bei Temperaturen unter 4 Grad Celsius sind Pilzsporen inaktiv. Das senkt das Risiko einer Infektion mit dem Kastanienrindenkrebs.

Jungbäume (1. bis 3. Jahr): Erziehungsschnitt für die Kronenbildung. Entfernen Sie Konkurrenztriebe zum Leittrieb. Im Juni oder Juli können Sie Triebspitzen einkürzen (grünes Pinzieren).

Ältere Bäume: Nur gelegentliches Auslichten. Entfernen Sie Totholz und belüften Sie die Krone. Ein regelmäßiger starker Rückschnitt ist nicht nötig.

Verschließen Sie größere Schnittwunden mit Baumwachs. Desinfizieren Sie Ihr Schnittwerkzeug vor jedem Baum. So verhindern Sie die Übertragung von Rindenkrebssporen.

Winterschutz

Ausgewachsene Esskastanien überstehen Frost bis minus 20 bis minus 25 Grad Celsius. Jungbäume reagieren deutlich empfindlicher. Schützen Sie die Wurzelzone im ersten Winter mit einer Mulchschicht und umwickeln Sie den Haupttrieb mit Vlies.

Pflegekalender im Jahresüberblick

ZeitraumMaßnahme
März bis AprilKompost und Hornspäne ausbringen, Baumscheibe mulchen
MaiBaumscheibe unkrautfrei halten, Bewässerung starten
Juni bis AugustJungbäume wöchentlich gießen, grünes Pinzieren bei Bedarf
September bis OktoberErnte (tägliches Aufsammeln), Herbstpflanzung vorbereiten
November bis FebruarWinterschnitt, Weißanstrich, Vlies für Jungbäume

Esskastanien ernten und lagern

Wann sind Maroni reif?

In der Steiermark reifen Esskastanien von Mitte September bis Mitte Oktober. Die stacheligen Fruchtbecher öffnen sich, und die Früchte fallen von selbst zu Boden. Pflücken Sie Maroni nie direkt vom Baum. Sammeln Sie nur die heruntergefallenen Früchte.

So ernten Sie richtig

Sammeln Sie die Früchte täglich auf. Besonders bei warmem Herbstwetter bilden sich am Boden rasch Pilze. Tragen Sie Handschuhe, denn die Stacheln der Fruchtbecher stechen empfindlich.

Wasserbad-Test: Legen Sie frische Kastanien in einen Eimer Wasser. Früchte, die absinken, sind gut. Schwimmende Früchte sind hohl oder von Maden befallen.

Lagerung

MethodeHaltbarkeit
Kühler, trockener Ort (Keller)Bis 1 Woche
Kühlschrank (Gemüsefach)2 bis 4 Wochen
In feuchtem Sand eingeschichtetMehrere Wochen
Kühllager bei 0 Grad CelsiusBis 6 Monate
Einfrieren (geschält, kurz gekocht)Bis 6 Monate

Kastanien verderben schneller als andere Nüsse. Lagern Sie die Früchte immer kühl und nicht bei Zimmertemperatur.

Maroni in der Küche: Rezepte und Verwendung

Die vielseitigen Früchte der Esskastanie bereichern jede Küche. Ob herzhaft oder süß, sie sind ein Highlight für Genießer.

Rösten

Ritzen Sie die Schale kreuzförmig ein und rösten Sie die Maroni bei 180 Grad Celsius etwa 15 bis 20 Minuten im Ofen. Eine feuerfeste Schüssel mit Wasser im Ofen verhindert das Austrocknen. Fertig sind die klassischen „Heißen Maroni“ der österreichischen Herbsttradition.

Geröstete Maroni. Eigene Kastanien braten. Bio und lecker. Garten Leber Steiermark.

Kochen

Eingeritzte Kastanien in kochendes Wasser geben und etwa 15 Minuten garen. So eignen sie sich hervorragend für Suppen, Püree oder als Beilage zu Wild und Gans.

Kastanienmehl (glutenfrei)

Getrocknete Kastanien lassen sich zu feinem Mehl vermahlen. Kastanienmehl ist glutenfrei und damit eine wertvolle Alternative für Menschen mit Zöliakie. Es eignet sich für Brot, Gnocchi, Pfannkuchen und Gebäck.

Typisch österreichische Gerichte

  • Kastanienreis: Die klassische Süßspeise aus Maronipüree, Schlagobers und Staubzucker.
  • Maronisuppe: Cremig püriert, mit einem Schuss Kernöl serviert.
  • Maronifüllung: Zu Gansl oder Wild im Herbst und Advent.
Kastanienreis selbst gemacht. - Mit Ihrem eigenen Kastanienbaum im Garten. Castanea sativa

Nährwerte (pro 100 g, gegart)

NährstoffMenge
Kalorienca. 196 kcal
Kohlenhydrate40 bis 43 g
Eiweiß2 bis 3,4 g
Fett1,9 bis 2 g
Ballaststoffeca. 8,4 g
Vitamin Cca. 27 mg
Kaliumca. 707 mg

Maroni sind im Vergleich zu Walnüssen oder Haselnüssen deutlich fettärmer und kalorienärmer. Der hohe Stärkeanteil von über 40 Prozent macht sie sättigend.

Krankheiten und Schädlinge der Esskastanie

Kastanienrindenkrebs (Cryphonectria parasitica)

Der Kastanienrindenkrebs ist die häufigste und gefährlichste Krankheit der Esskastanie in der Steiermark. Der Pilz stammt aus Nordamerika und gelangte 1938 über Genua nach Europa.

Symptome: Orange-rote Krebsgeschwüre an Stamm und Ästen. Die Rinde stirbt ab, ganze Kronenteile können absterben. Ernteausfälle von bis zu 90 Prozent sind möglich.

Vorbeugung:

  • Rindenwunden vermeiden
  • Schnittwerkzeug vor jedem Baum desinfizieren
  • Kranke Äste sofort entfernen und verbrennen
  • Baumscheibe frei von Gras halten

In Frankreich setzen Forscher seit 2008 hypovirulente Pilzstämme ein. Diese weniger aggressiven Varianten verdrängen den Rindenkrebs. In Österreich ist diese Methode derzeit noch eingeschränkt verfügbar.

Tintenkrankheit (Phytophthora)

Bodenpilze der Gattung Phytophthora befallen die Wurzeln auf feuchten, schlecht drainierten Böden. Aus dem Stamm tritt eine dunkle, tintenartige Flüssigkeit aus. Ganze Kronenpartien welken und sterben ab.

Vorbeugung: Gut drainierte Böden wählen, Staunässe konsequent vermeiden, Hanglagen bevorzugen.

Kastaniengallwespe (Dryocosmus kuriphilus)

Dieser aus Südchina stammende Schädling wurde 2013 erstmals im Freiland in der Steiermark nachgewiesen. Die Wespe legt Eier in die Knospen. Im Frühjahr entstehen charakteristische Gallen an Trieben und Blättern. Bei starkem Befall reduziert sich die Ernte um 65 bis 75 Prozent.

Chemische Mittel wirken kaum. Der natürliche Gegenspieler, die Schlupfwespe Torymus sinensis, hat sich in der Steiermark bereits ohne gezielten Einsatz natürlich verbreitet.

Esskastanienbohrer (Curculio elephas)

Die Larven dieses Rüsselkäfers fressen die Früchte von innen. Befallene Maroni erkennen Sie an kleinen Bohrlöchern und frühem Fruchtfall. Sammeln Sie befallene Früchte sofort ein und halten Sie den Boden unter dem Baum sauber.

Klarstellung: Miniermotte betrifft die Esskastanie nicht

Die Kastanienminiermotte (Cameraria ohridella) befällt ausschließlich die Rosskastanie. Die Esskastanie bleibt von diesem Schädling verschont. Diese Verwechslung hält sich hartnäckig im Volksmund.

Die Esskastanie als Klimawandel-Gewinner

Die Esskastanie gehört zu den Zukunftsbäumen in der österreichischen Forstwirtschaft. Wärmere Sommer und mildere Winter begünstigen diesen wärmeliebenden Baum.

Vorteile durch den Klimawandel:

  • Die Anbaugebiete verschieben sich nach Norden und in höhere Lagen. Flächen, die bisher zu kalt waren, werden geeignet.
  • Als Tiefwurzler erschließt die Esskastanie auch bei Trockenheit Wasserreserven in der Tiefe.
  • Im Forst ersetzt sie zunehmend absterbende Fichten und Kiefern.
  • Laut LK Steiermark könnten künftig auch Frühsorten auf Südlagen über 900 m Seehöhe reife Früchte liefern.

Risiken:

  • Heiße, trockene Sommer stressen Jungbäume (Sonnenbrand an Stamm und Ästen).
  • Mildere Herbste begünstigen Pilze. Kastanien verderben bei der Ernte schneller.
  • Neue Schädlinge und Krankheiten breiten sich durch frostfreie Winter leichter aus.

Die Anbaufläche in der Steiermark spiegelt den Trend wider: Von 49 ha im Jahr 2018 über 112 ha im Jahr 2020 auf 131 ha im Jahr 2022. Für ganz Österreich rechnet die AGES mit rund 200 ha Plantagen im Jahr 2025. Die Klimaveränderungen steigern die Eignung der Flächen im Osten Österreichs.

Wer heute einen Kastanienbaum pflanzt, investiert in einen Baum mit Zukunft. Die Esskastanie verbindet Tradition und Klimaresilienz wie kaum ein anderer Gartenbaum. Auch Bäume wie der Amberbaum oder die Blutbuche gelten als anpassungsfähig. Doch die Esskastanie liefert zusätzlich eine wertvolle Ernte.

FAQ: Häufige Fragen zur Esskastanie

Ist die Esskastanie winterhart?

Ja. Ausgewachsene Esskastanien überstehen Frost bis minus 20 bis minus 25 Grad Celsius (USDA-Zone 6). Junge Bäume reagieren empfindlicher und brauchen im ersten Winter eine Mulchschicht an der Wurzelzone sowie Vlies am Stamm.

Wann pflanzt man eine Esskastanie?

Die beste Pflanzzeit ist der Herbst (Oktober bis November). Der Baum bildet vor dem Frühjahr Wurzeln und startet kräftiger. Alternativ pflanzen Sie im Frühjahr (März bis April), solange kein Frost mehr droht.

Braucht die Esskastanie einen zweiten Baum?

Ja, mindestens zwei verschiedene Sorten sind für den Fruchtertrag nötig. Die Esskastanie ist selbststeril. Männliche und weibliche Blüten öffnen sich zeitversetzt. Nur Pollen einer anderen Sorte befruchtet die weiblichen Blüten.

Wie groß wird eine Esskastanie im Garten?

Wildformen erreichen 20 bis 25 m Höhe mit einer Krone von bis zu 15 m Breite. Veredelte Sorten bleiben mit 4 bis 8 m deutlich kompakter. Halten Sie mindestens 8 bis 10 m Abstand zu Gebäuden.

Wann kann man Esskastanien ernten?

Reife Maroni fallen von Mitte September bis Mitte Oktober von selbst zu Boden. Sammeln Sie die Früchte täglich auf. Schwimmende Früchte im Wasserbad aussortieren, denn diese sind hohl oder von Maden befallen.

Was ist der Unterschied zwischen Esskastanie und Rosskastanie?

Die Esskastanie (Buchengewächse) ist essbar und nahrhaft. Die Rosskastanie (Seifenbaumgewächse) ist giftig. Erkennbar am Blatt: Esskastanie hat einzelne, gesägte Blätter. Die Rosskastanie trägt handförmig gefiederte Blätter mit 5 bis 7 Teilblättern.

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